Bienenarten

Unsere Honigbiene (Apis mellifera) ist zwar die bekannteste, aber nur eine von fast 700 Bienenarten in Österreich. Weltweit sind bereits über 17 000 Arten beschrieben worden, wobei Wissenschaftler von deutlich mehr als 20 000 Arten ausgehen. Zum Vergleich: Die Einwohnerzahl von Eisenstadt beträgt nur knappe 15 000 Personen. Es gäbe also für jeden Eisenstädter und jede Eisenstädterin eine andere Bienenart und selbst dann wären immer noch tausende verschiedene Arten übrig.

Als Wildbienen werden alle Bienen bezeichnet, die nicht domestiziert worden sind. Weltweit gibt es eine Hand voll (7-12) domestizierte Honigbienenarten, die dementsprechend nicht zu den Wildbienen zählen. Wir von WiBie sind an allen Bienenarten interessiert und setzen unseren Fokus auf den Schutz der seltenen Wildbienen.

Nicht nur aus ökologischen und ökonomischen Aspekten lohnt es sich, auf die Wildbienen zu achten. Wenn man sich etwas mit diesen kleinen Tierchen beschäftigt, erkennt man deren vielfältige Schönheit, lässt sich von deren genialen Techniken beeindrucken und spürt plötzlich die Verantwortung, das alles für nachkommende Generationen zu erhalten. Daher widmen wir dieses Kapitel ganz der Diversität der Wildbienen.


Bienenfutter

Alle Wildbienen ernähren sich von Nektar und Pollen, den sie von Blüten sammeln. Dabei bestäuben sie die besuchten Pflanzen ganz nebenbei, indem sie den Pollen von einer Blüte auf eine andere übertragen. Je nach Pflanzenart kann die Bestäubung auch durch andere Tiere, den Wind oder durch Wasser erfolgen. Es gibt außerdem Pflanzenarten, die auf ganz bestimmte Bienenarten angewiesen sind. So benötigt der giftige Blaue Eisenhut beispielsweise bestimmte Hummelarten, weil nur sie mit ihren langen Rüsseln zum Nektar gelangen. Erst im Spätsommer wird die Pflanze auch von Honigbienen angeflogen.

Generell teilt man Bienen in polylektische und oligolektische Arten ein. Die polylektischen Arten werden auch als Pollengeneralisten bezeichnet, da sie viele verschiedene Pflanzenarten anfliegen. Die Honigbiene wäre ein Extrembeispiel dafür. Oligolektische Arten sind hingegen Pollenspezialisten, die ihre Nahrung nur von wenigen, nahe verwandten Pflanzenarten beziehen.

Bienen und Pflanzen gehen eine Symbiose miteinander ein, sind also aufeinander angewiesen. Auch der Mensch profitiert von der Tätigkeit der Bienen. Sie bestäuben fast 70% der blütentragenden Pflanzen. Da es ohne Bestäubung zu keiner Fruchtbildung kommen kann, sorgen sie so für etwa ein Drittel der weltweiten Nahrungsproduktion.

Eine Investition in den Wildbienenschutz ist daher eine Investition in unsere eigene Nahrungssicherung.

Wer für die Bienen ein Festmahl aus Blumen im Garten oder am Balkon errichten möchte, muss dabei zwei Sachen unbedingt berücksichtigen: 

1) Bienen können nur Pollen und Nektar von jenen Blüten sammeln, die auch welchen zur Verfügung stellen. Leider tun viele Zierpflanzen das nicht und rauben einer Biene auf Futtersuche nur Zeit und Energie.

2) In einigen kommerziell angebotenen Blumenmischungen, die manchmal sogar extra Nahrung für Wildbienen anpreisen, sind zwar fürs Auge ansprechbare Blumen enthalten, jedoch sind diese leider oft nicht heimisch, wodurch sie für Wildbienen als Nahrungsquelle nicht in Frage kommen. 

Wir haben daher eine Liste heimischer, bienenfreundlicher Blumen zusammengestellt und zeigen, wie man den eigenen Garten oder Balkon zum Bienenparadies macht.


Gefährdung und Schutz

52,6% der Bienenarten stehen in Deutschland auf der Roten Liste und gelten somit als gefährdet. Davon befinden sich 31 Arten in der Kategorie “Vom Aussterben bedroht”. Diese wissenschaftlich erhobenen Daten sind von großer Bedeutung, da sie als Grundlage für den Naturschutz dienen. Umso bedauernswerter ist es, dass es in Österreich bislang nicht gelungen ist, die notwendigen Ressourcen zur Erstellung einer Roten Liste der Bienen aufzubringen.

Ob Deutschland oder Österreich, die Ursache der Gefährdung der Wildbienen ist dieselbe, nämlich der Mensch. Je mehr Fabriken wir bauen, je mehr Straßen den Boden versiegeln und je größer unsere Städte werden, desto weniger Lebensraum bleibt den Tieren. Haben wir in früherer Zeit durch extensive Beweidung artenreiche Blumenwiesen und damit auch die Wildbienen gefördert, so führt die industrielle Landwirtschaft durch den starken Einsatz von Mineraldünger und Gülle zu nährstoffreichen und dementsprechend artenarmen Wiesen.
An diesen sogenannten Fettwiesen setzen sich wenige Pflanzenarten (beispielsweise der Löwenzahn) durch und verhindern dabei die Entstehung einer vielfältigen Blumenwiese.
Eine Fettwiese ist aus ökologischer Sicht und aus der Sicht einer Wildbiene relativ wertlos . Die häufige Mahd, sowie der Einsatz von Unkrautbekämpfungsmitteln im großen Stil wirken sich zusätzlich dramatisch auf das Blütenangebot aus und auch Ackerland bietet kaum Nahrung für Wildbienen.

Als wäre das noch nicht genug, kommen nach wie vor
Neonicotinoide als Insektizide zur Anwendung. Diese verteilen sich in der Zielpflanze und werden über den Nektar und den Pollen von Bienen und anderen Bestäubern aufgenommen. Das Nervengift wirkt auf eine Vielzahl von Insekten und führt bei ihnen zu Lähmungen und schließlich zum Tod.

Auch im Privatbereich ist das Verbesserungspotential groß. Leider kommt es oft dazu, dass die Nahrung und Niststätten von Wildbienen dem menschlichen Bedürfnis nach Ordnung weichen müssen. Häufiges Rasenmähen (im Extremfall mit Mähroboter), das Mähgut liegen lassen , den Rasen düngen, pollenfreie oder fremdländische Blumen aussäen und offene Erdflächen versiegeln , sind nur einige Beispiele, die den Wildbienen das Leben unheimlich erschweren. Das Gute daran ist, dass diese Beispiele gleichzeitig einfache Wege aufzeigen, wie man die kleinen Tierchen unterstützen kann.

Daher präsentieren wir dir hier einfache und lustige, spannende und lehrreiche Ideen, wie du etwas zum Schutz der Wildbienen beitragen kannst. Wir müssen aber auch anmerken, dass unsere Möglichkeiten begrenzt sind und keine Schutzmaßnahmen im großen Stil ersetzen können.